Lukaskapelle

Geschichte der Lukaskapelle

Aus der Mitte des 15. Jahrhunderts ist den Kahlgründern, neben Kälberau und Dettingen, eine gotische Kirche erhalten geblieben, die fast ohne Umbau 530 Jahre überdauert hat. Ihr 32 m hoher gotischer Spitzhelm überragt den Schöllkrippener Ortskern und gilt als Wahrzeichen des Marktes Schöllkrippen.
Der Kurstaat Mainz organisierte um 1450 seine Forstverwaltung im Spessart neu, und aus der Forsthube in Schöllkrippen entwickelte sich unter dem Erzbischof Dietrich Schenk von Erbach (1434-1459) eine rege Bautätigkeit, die ein Schloß mit Wirtschaftsbauten zu den bereits vorhandenen Häusern am Kahlufer, wie Mühle, Sackhäuser und Geipelshaus, hinzufügte. Eine Urkunde von 1459 weist den Forsthübner Hans Kile und seine Ehefrau Meegen als ersten Laubmeister des Spessarts aus. Beide erhielten bereits 1437 die Forsthube zum Erblehen. Falls keine Nachkommen das Lehen übernehmen würden, falle es an Mainz zurück. Kile ist der erste bekannte mainzische Laubmeister im Spessart. Er war ab 1459 der bestimmende "Beamte" über das Forstwesen. Hier in Schöllkrippen, vom Hochspessartrand aus, wurden damals neben dem Vizedomamt Aschaffenburg bis 1485 der Mainzer Nordspessart mit seinen Glashütten, Kohlenmeilern und Erzstollen überwacht.

Um 1450 bestand in Schöllkrippen der Wunsch, neben Ernstkirchen ein zweites Gotteshaus zu bauen und als Schloßkapelle neben dem neuen mainzischen Amtsgebäude zu errichten.

Über dem Turmeingang an der Westseite der Kapelle ist nach mehrfachen Veränderungen die Stifterplatte erhalten geblieben. Darauf sind die Jahreszahlen 1449 (M CCCC XL VIIII) und die Namen Hans Lezl und Meeg (Hausfrau) eingeschlagen.
Es können nur Hans Kile und Frau Meegen in Frage kommen. 1910 wurde die zweiteilige Platte durch Hugo Ostheimer (Zeitung "Hansjörg vom Spessart") in einer Ausgabe "Kahlgrund und Vorspessart" abgezeichnet und festgehalten. Darauf ist das Wort "Baubmeister" (=Laubmeister) erhalten. Diese Stifterplatte muß zwischen 1449 und 1919 oft ausgebessert und durch Verwitterung wiederholt falsch gelesen und eingeschlagen worden sein. Auch 1950 und 1969 ist sie wiederum zweimal nach der Vorlage von 1910 verbessert worden.
Hans Kile muß als Laubmeister für diesen Kirchenbau mit seinem mächtigen Wehrturm aus zwei Meter dicken Mauern nicht nur die finanzielle und kirchliche Unterstützung von Mainz erhalten, sondern auch selbst viel geopfert und dazu die Hilfe der Bewohner des Mainzer Spessarts bekommen haben. In 530 Jahren wurden die Kapelle nach Rückschlägen und Wetterschäden oft ausgebessert, die Einrichtung erneuert und die Turmspitze immer wieder verputzt. Seit 1519 läutet die jetzige Stundenglocke, die die Schöllkrippener unter dem Kurfürsten Albrecht von Brandenburg von einem Augsburger Gießer (Peter Gareis) dazu kauften. 1523 baute man eine Sakristei an und erwarb um diese Zeit eine Pieta aus Lindenholz, die 1945 in Würzburg während der Restaurierung verbrannte. Damals diente die Kapelle auch als Grablege für die Schloßbewohner und außen herum entstand ein Friedhof, der bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts benutzt wurde. Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde, wohl zur gleichen Zeit, als die Pfarrkirche in Ernstkirchen ihren Zwiebelturm erhielt, auch ein barockes Türmchen dem Chor der Kapelle aufgesetzt und das jetzige Tonnengewölbe eingebaut.

Diese Kapelle St. Lukas wurde an Gerichtstagen für Gottesdienstbesuche benutzt und diente der Marienberehrung. Wallfahrer aus dem mainzischen Teil des Kinzigtales, die nach Walldürn zogen, benutzten die Kapelle als Station. Wotivtageln, Marienbilder und barocke Figuren schmückten den Innenraum. Eine Petrus- und Paulusstatue aus der barocken Ausstattungszeit befinden sich in Ernstkirchen. Zum Wendelinustag wurde für den Bauernstand und dessen Vieh besondere Gottesdienste abgehalten. Eine barocke Wendelinusfigur in einheimischer Tracht und zwei neugotischen Statuen, darunter St. Lukas, sind noch erhalten. Ebenso befanden sich in der Kapelle 14 große Stationsbilder aus der Barückzeit, die aber nach langer Lagerung im Turm nicht mehr restauriebar sind.
1825 und 1884 wurden Rurm und Wände verfugt und verputzt, 1908 bis 1910 die ganze Kapelle durch eine Spende von 4.500 Goldmark des Großkaufmanns Wilhelm Steigerwald (Leipzig) renoviert und die jetzige mechanische Uhr von ihm gestiftet. Der damalige Bürgermeister Oswald Schltes, ein Vetter Steigerwalds, war der Initiator dieser Kapellenrenovierung. 1928, 1939 und zwischen 1955 und 1985 mußten der Turm zweimal neu verfugt und der Umlauf mehrmals abgedichtet werden. Durch eine große Spendenaktion konnte 1969 im Kapellenhof das Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege und ermordeten jüdischen Mitbürger gestaltet werden. Die Kapelle erhielt gleichzeitig einen neuen Verputz. Die politische Gemeinde, seit 1783 Besitzerin der St. Lukas Kapelle überließ der evangelischen Pfarrei von 1969 bis 1971 die Kapelle bis zur Einweihung ihrer neuen St. Markus-Kirche.

Zur 500-Jahrfeier 1950 wurden durch Spenden der Bevölkerung innen Dränagen verlegt, ein neuer Fußboden eingezogen und der Innenverputz ausgebessert. Das damalige Kapellenfest und der Verkauf von Lukasreliefs aus Ton brachten zusätzliche Einnahmen für den Kapellenfond. 1949 schuf Hermann Kröckel eine große Pieta, die dessen Bruder, Pfarrer Oskar Kröckel, der Kapelle als Ersatz für die verbrannte Pieta stiftete.

Altarweihe der Lukaskapelle 1985
Die Kapelle St. Lukas wurde von 1978 ab bis 1985 von Grund auf renoviert. Auch die Inneneinrichtung der 1449 erbauten Kapelle wurde koplett neu geschaffen. Die Gestaltung des Altarraumes wurde dem Bildhauer Hermann Kröckel aus Aschaffenburg übertragen. In Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege, dem Landbauamt Aschaffenburg und der Kath. Kirchengemeinde wurde ein neuer Sandsteinaltar aufgestellt, der Tabernakel in die vorhandene Nische eingebaut und mit einem Bronzegitter verziert. Abgerundet wurde dieser Bereich mit einem in Bronzestäbe gefassten Priesterstuhl und mit einem neuen Ambo.

Die letzten beiden größeren Maßnahmen zum Schmuck der Kapelle St. Lukas waren der Einbau der neuen Fenster, sie stammen aus der Hand des bekannten Malers Siegfried Rischar aus Aschaffenburg, und ein Kreuzweg in Bronzeguß durch den Künstler Hermann Kröckel.


Kosten der Sanierung:
Aussensanierung, verbunden mit einer umfangreichen Abdichtungsmaßnahme des Steinturmes, erforderte einen Kostenaufwand in Höhe von 245.000 DM (125.255,51 €). Die Herrichtung und Ausstattung des Innenraumes verusachten Kosten in Höhe von rund 160.000 DM (81.806,70 Euro). Die Gesamtkosten beliefen sich somit auf über 400.000 DM (204.516,75 Euro). Zur Finanzierung der Maßnahme hat das Landesamt für Denkmalpflege einen Zuschuss in Höhe von 25.000 DM (12.782,30 Euro) gewährt. Der Bezirk Unterfranken steuerte 5.300 DM (2.709,85 Euro) bei. Aus Mitteln zur Förderung der Heimat- und Denkmalpflege hat der Landkreis für die Innenrenovierung 7.500 DM (3.834,69 Euro) und für die Aussensanierung 10.000 DM (5.112,92 Euro), also 17.500 DM (8.947,61 Euro), bewilligt. Die Bayer. Landesstiftung, München hat zur Instandsetzung der Kapelle einen Zuschuß in Höhe von 50.000 DM (25.564,59 Euro) gewährt.


Einen ganz wesentlichen finanziellen und nicht zu unterschätzenden ideellen Beitrag zur Kapellensanierung erbrachte der im Jahren 1978 gegründete Kapellenförderverein mit über 70.000 DM (35.790,43 Euro).

 

 

 

 

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