Teufelsmühle Geiselbach

Geschichte:

Westlich des Geiselbacher Ortsteiles Omersbach liegt der sagenumwobene Teufelsgrund.
In der Karte des Landgerichts Krombach aus dem Jahr 1782 findet man im Teufelsgrund noch drei Mühlen, die als untere, mittlere und obere Teufelsmühle bezeichnet werden.
Auch im Mühlenverzeichnis aus dem Jahr 1837 sind die drei Mühlen noch enthalten. Eigentümer der oberen Mühle ist Johann Adam Giron, der mittleren Andreas Mann und der unteren Mühle Konrad Fleckenstein.
In der amtlichen Flurkarte von 1847 ist die obere Mühle nicht mehr enthalten. Innerhalb von nur 10 Jahren ist die obere Teufelsmühle verschwunden. Die Gründe hierfür liegen nach wie vor im Dunkeln. Auch die aktuelle Flurkarte zeigt nur zwei Mühlenstandorte.
Über viele Jahre war der genaue Standort der oberen Teufelsmühle nicht bekannt. 1985 jedoch konnten Theodor Rückert aus Sommerkahl und Karl Fred Benz aus Weibersbrunn das Geheimnis lüften. Durch Grabungen wiesen sie den Standort der oberen Mühle nach.

Die alte Teufelsmühle
Der erste bekannte Besitzer der unteren Teufelsmühle, Johann Adam Allig tauscht 1781 die Mühle mit dem Besitz des Johannes Hohenberger aus Omersbach. Der überlässt Johann Adam Allig im Gegenzug seine „Hofreit in Omersbach, benebst aller seiner Güter“ und gibt noch 25 Gulden dazu.
Im Heimatjahrbuch 1976 „Unser Kahlgrund“ führt Alfons Dedio aus, dass der „alte Hohenberger“ 1809 verstorben wäre und die Mühle versteigert wurde.Tatsächlich findet sich im Geiselbacher Gerichtsbuch vom 05. Juni 1809 der Hinweis, dass die untere Mühle von Johann Heinrich Schneider zum Preis von 1853 Gulden ersteigert wurde. Was Dedio aber übersieht, ist, dass hier von dem verstorbenen Niklaus Hohenberger die Rede ist. Hatte Johannes Hohenberger in der Zwischenzeit die Mühle bereits an seinen Sohn übergeben? Eine Frage, die die Heimatforscher noch klären müssen.
Schneiders Tochter heiratet Konrad Fleckenstein, der die Mühle für 1800 Gulden am 10. Februar 1813 kaufte und noch am gleichen Tag vom Amt Kaltenberg die Mühlenkonzession erhält. Im Mühlenverzeichnis von 1837 ist Fleckenstein noch als Teufelsmüller der unteren Mühle geführt.
Am 03. Februar 1846 verkauft er die Mühle an seinen Sohn Jakob. Wie lange der die Mühle noch geführt hat, ist nicht bekannt. Die lange vertretene Annahme, er hätte an Konrad Stenger aus Laudenbach verkauft, konnte mittlerweile durch Recherchen von Herbert Stenger aus Westerngrund widerlegt werden. Konrad Stenger war nämlich Müller in der mittleren Mühle.

Erster nachgewiesener Eigentümer der mittleren Mühle ist Michael Ries. Der tauscht 1782 die Mühle mit Konrad Pfarr aus Omersbach, der dafür seine Hofreith hergab. Außerdem erhielt Ries noch eine Draufzahlung von 150 Gulden. Aus dem Kaufprotokoll geht im Übrigen auch hervor, dass Baltes Büttner 1782 Eigentümer der unteren Mühle war. (dass müll wehr, welches bei des Baltes Büttners müll...)
1811 erwirbt Pfarrs Schwiegersohn Andreas Mann die mittlere Teufelsmühle. Aus dem Kaufprotokoll vom 23. Juli 1811 gehen gleich mehrere interessante Fakten hervor.
Konrad Pfarr hatte 5 Kinder, nämlich einen Sohn und vier Töchter. Die Mühle übergab er zuerst, wann ist nicht bekannt, seinem Schwiegersohn Johann Adam Weber. Nach dem Tod von dessen Ehefrau, Pfarrs Tochter also, fiel das Eigentum an der Mühle an Konrad Pfarr zurück. Andreas Mann, ein weiterer Schwiegersohn Pfarrs übernimmt die Mühle für 2000 Gulden. Nach Abzug der Schulden bleiben noch 925 Gulden über, die auf die Geschwister verteilt werden. Außerdem erhält der alte Müller seinen Altensitz „in der unteren Stuben“. Außerdem standen ihm eine ordentliche Hausmannskost und jährlich 30 Gulden Taschengeld zu. Im Mühlenkataster von 1837 ist Andreas Mann noch als Müller in der mittleren Mühle geführt. Bei Neuanlegung des Grundsteuerkatasters im Jahre 1846, geführt beim Vermessungsamt Aschaffenburg, wurde Johann Huber als Eigentümer der mittleren Mühle eingetragen. Seit 1854 ist die mittlere Mühle im Besitz von Peter und Maria Huber (Peter Huber ist ein Sohn des Johann Huber). 1876 übergibt das Ehepaar Peter und Maria Huber die Mühle an die Tochter Katharina Huber.
Am 05. November 1878 verkaufte Katharina Huber die mittlere Teufelsmühle an Konrad und Eva Stenger aus Großlaudenbach. Konrad Stenger sen. war der letzte Teufelsmüller und ist der Sohn des Georg Stenger, ehemals Müller und Besitzer der unteren Mühle von Großlaudenbach. Konrad Stenger war der letzte Müller im Teufelsgrund. Nach ihm wurde keine Mühle mehr betrieben. Die mittlere Mühle wurde 1892 abgebrochen. Am 21. Mai 1891 kaufte der älteste Sohn Konrad Nikolaus Stenger ein landwirtschaftliches Anwesen in Großlaudenbach. Fortan wohnte die gesamte Familie Stenger (Eltern Konrad und Eva, sowie die fünf Geschwister des Konrad Nikolaus) in Großlaudenbach. Außer der Landwirtschaft betrieb Konrad Nikolaus in Großlaudenbach einen Krämerladen und eine Holzhandlung. Er kaufte Holz im Spessart auf und fuhr es mit Pferdegespannen nach Frankfurt / Main, wo er es an holzverarbeitende Betriebe verkaufte. Am 28. April 1891 verkaufte das Ehepaar Konrad und Eva Stenger aus wirtschaftlicher Not die mittlere Teufelsmühle an den Landwirt Johann Alig II aus Omersbach.
Im Jahr 1796 war die obere Teufelsmühle im Besitz von Peter Büttner, Sohn von Baltes Büttner, dem vorherigen Besitzer der Teufelsmühle. Der hat die Mühle nachweislich bereits 1782 besessen. Peter Büttner scheint es als Teufelsmüller zu einem gewissen Wohlstand gebracht zu haben. In den Geiselbacher Gerichtsprotokollen sind nämlich diverse Grunderwerbe von Peter Büttner nachgewiesen. 1803 kauft er von einem Dörnsteinbacher fünf Stück Hecken zu, im gleichen Jahr Grundstücke am Rothenberger Hof, 1807 von „zwei abwesenden Brüdern“ wiederum Grundstücke am Rothenberger Hof. 1804 baute er zusammen mit Johann Parr eine Hofreith in Omersbach.
Parrs Anteil am Anwesen übernahm er wiederum am 03. Januar 1811. Bezahlt hat er dafür nichts, vielmehr war Parr mit dem Kauf nur seine Schulden bei Büttner los. Wann Büttner den Mühlenbetrieb aufgab, ist nicht bekannt. Im Mühlenverzeichnis von 1937 ist als Besitzer der oberen Teufelsmühle jedenfalls Johann Adam Giron geführt. Bereits 1847 muss die obere Teufelsmühle nicht mehr bestanden haben, auf einem Messtischblatt dieses Jahres ist sie nämlich schon nicht mehr verzeichnet.

Die heutige Teufelsmühle

Johann Alig, der die Mühle von den letzten Teufelsmüllern, dem Ehepaar Stenger erworben hatte, ließ die Mühle abbrechen. Laut einem Bericht im Main-Echo von 1950 sollen Teile des Fachwerks sollen zum Bau eines Hauses in Dörnsteinbach verwendet worden sein. Die Reste der Mühle kaufte der Omersbacher Schreiner Kilian Hofmann, der auf den Grundmauern der alten Mühle eine einfache Jagdhütte errichtete.
1949 stockte dessen Sohn Alfred Hofmann die Jagdhütte auf und richtete in der „Teufelsmühle“ eine Schankwirtschaft ein. Alfred Hofmann hatte Großes vor. Nach seinen Vorstellungen sollte im Teufelsgrund eine moderne Erholungsstätte entstehen. Die Zimmer ausgestattet mit Zentralheizung, fließend kaltem und warmen Wasser und Bad. Es sollten Liegewiesen, Sonnenplätze und ein Freibad (im Winter Skigelände) entstehen. Es blieb nur ein Traum.
Alfred Hofmann verpachtete die mittlerweile gut gehende und beliebte Ausflugsgaststätte an das Omersbacher Ehepaar Antonie und Karl Fischer. Die bewirtschafteten die Gaststätte bis zum Juli 1960, jenem Tag, an dem Karl Fischer in der Teufelsmühle von einem geisteskranken Mörder umgebracht wurde.
Um den Teufelsgrund ranken sich nicht nur zahlreiche Sagen, der Grund allein schien das Unglück förmlich anzuziehen.

Es begann mit der Kugel eines Jägers, die versehentlich den eigenen Sohn traf. Ein Bildstock auf einem Feld unterhalb des Hofes Frohnbügel erinnert daran. Jahre danach traf das Unglück eine Frau, die nachts auf dem Weg von Omersbach zum Frohnbügel den Geiselbach überqueren wollte und ertrank. Unweit von Hüttelngesäß verunglückte ein Waldarbeiter tödlich. Ein Gedenkstein erinnert an das Unglück. Ein Wegstück weiter kündet ein anderes steinernes Mal vom Tode eines Mannes, den ein Herzschlag niederstreckte.
Lange Zeit blieb es in der Teufelsmühle ruhig, bis sich vor wenigen Jahren Ludwig Thalheimer mit der „Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Teufelsmühle“ des Gebäudes annahm. Das Gebäude wurde liebevoll instand gesetzt und zum 1. Mai und Vatertag besuchen alljährlich wieder Hunderte von Wanderern das beliebte Ausflugsziel.

Sage:

Vor vielen, vielen Jahren ließen die Bauern ihr Korn zur vollen Zufriedenheit in der Teufelsmühle mahlen. Des Müllers Esel trug dann den Leuten das Mehl ins Haus. Aber bald wurde der Müller unehrlich, indem er zu viel Mehl für sich zurückbehielt. Kein Wunder, dass die Bauern nun ihr Mehl in andere Mühlen gaben. Der unehrliche Müller aber verarmte zusehends und Not und Hunger kehrten bei ihnen ein.
Die Mühle war nicht mehr baufest. Durch einen Riss in der Mühlenwand floss ständig Wasser ins Haus. Vergeblich waren die Versuche des Müllers, den Riss zuzumauern. Und er fluchte: “Wenn nur diesen Riss der Teufel holen wollte.“ Und der Teufel kam. Er sagte, er würde den Riss zumauern, falls er des Müllers Seele dafür bekäme. Der Müller erklärte sich dazu bereit und der Teufel versprach in einer einzigen Nacht den Riss zuzumauern. Sollte er bis zum ersten Hahnenschrei nicht fertig sein, dann bräuchte ihm der Müller seine Seele nicht zu geben.
Doch als der Teufel fort war, hatte der Müller Gewissensbisse. Er erzählte die Angelegenheit seiner Ehefrau und diese meinte, er solle nur beruhigt sein, sie wolle die Sache schon in Ordnung bringen. Abends kam nun der Teufel und mauerte mit aller Kraft an dem Riss. Die Frau aber setzte sich heimlich in den Hühnerstall und sah dem Teufel bei seiner Arbeit zu. Als dieser nur noch einige Steine einzumauern hatte, ahmte die Frau den Ruf eines Hahnes nach und schrie: „Kikeriki!“
Mit einem furchtbaren Schrei ließ nun der Teufel Hammer und Kelle fallen und suchte das Weite. Er hatte die Abmachung verloren, und die Seele des Müllers war gerettet. Das kleine übriggebliebene Stückchen vom Riss mauerte dann der Müller selber zu. Seit dieser Zeit heißt die Mühle Teufelsmühle.
100 Jahrfeier
Mit zahlreichen Gästen aus Geiselbach, Omersbach und den umliegenden Ortschaften haben die Eigentümer der Teufelsmühle, die Gemeinde Geiselbach und die Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Teufelsmühle das 100-jährige Bestehen der Teufelsmühle gefeiert.
1909 hatte der Omersbacher Kilian Hofmann auf den Überresten der ehemaligen mittleren Mühle eine einfache Jagdhütte errichtet, die durch seinen Sohn Alfred aufgestockt wurde und so der Teufelsmühle ihr heutiges Aussehen verlieh.

An den Jubiläumsfeierlichkeiten beteiligten sich auch zahlreiche Gruppen aus Geiselbach und Omersbach.

Der Seniorensingkreis, der Omersbacher Jugendchor, die Frauenschola und der Frauenchor des Gesangvereins Liederkranz Omersbach begeisterten mit ihren Liedvorträgen. Die Alzenauer Malerin Lore Paulmann ließ sich bei ihrer Arbeit ebenso über die Schulter schauen wie der Fotodesigner Gotthard Eichhorn aus Omersbach.
Die Gemeinde Geiselbach dankt auch im Namen der Eigentümer allen, die zum Gelingen des Jubiläums beigetragen haben.

   

 

 

 

 

 

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