Rund um die Wilhelmine (Geologischer Lehrpfad)

Der Naturlehrpfad erschließt die reizvolle, abwechslungsreiche Landschaft um Sommerkahl für einen sanften Tourismus. Er lädt Einheimische und Besucher ein zu einem faszinierenden Naturerlebnis in dieser seit vielen Jahrhunderten vom Menschen mitgestalteten Umwelt.

Felswand am ehemaligen Kupferbergwerk
Die 20 Meter hoch aufragende Gneiswand der Grube Wilhelmine leuchtet weithin mit ihren großflächigen Überzügen aus grünem Malachit und blauem Azurit, beides sekundäre Kupfererze. Heute beobachten wir, wir die Natur den nackten Fels zurück erobert mit Algen, Moosen und Flechten, die zum bunten Farbenspiel auf der Wand beitragen. In den Stollen des ehemaligen Bergwerkes haben Fledermäuse ihr Winterquartier. Der Abbau von Kupfererzen im Bereich der Grube Wilhelmine ist erstmals 1704 urkundlich erwähnt. Es folgten mehrere Besitzerwechsel und wiederholte Stilllegungen; die Vorkommen waren nicht sonderlich ergiebig. Im Jahr 1923 wurde die Mine endgültig geschlossen.

Alter Steinbruch
Der ehemalige Kalksteinbruch mit seinem Umfeld wurde 1994 als Landschaftsbestandteil unter Schutz gestellt. Der hier anstehende Kalk ist für den Spessart ungewöhnlich. Auf dem stark wasserdurchlässigen Untergrund mit einer nur dünnen Bodenauflage gedeihen wärmeliebende, lichtbedürftige Pflanzen. Sie vermögen mit dem geringen Nährstoffangebot auszukommen und können Trockenheit ertragen. Ihre leuchtend bunten Blüten werden von zahlreichen Schmetterlingen und anderen Insekten besucht, die den Magerrasen bevölkern. Um diesen farbenfrohen Lebensraum zu erhalten, lässt man einmal im Jahr Schafe und Ziegen den Magerrasen beweiden. Dadurch wird ein Zuwachsen mit Sträuchern und Bäumen verhindert.

Der Vorspessart und Sommerkahl
Der kristalline Vorspessart um Sommerkahl zeigt Aufschlüsse mehrerer Gesteinsschichten, welche sehr unterschiedliche Bodenarten hervorbringen. Neben den spessarttypischen sauren Sanden gibt es auch kalkreiche Böden. Daher finden wir hier eine besonders vielfältige natürliche Tier- und Pflanzenwelt. Das Gebiet um Sommerkahl ist seit über 800 Jahre besiedelt. Die Landschaft ist von der Tätigkeit der Menschen in Landwirtschaft und Bergbau geprägt. Felder und Wiesen mit Hecken und Obstbäumen bedecken die sanften Hügel. Aufgelassene Schürfstätten wurden von der Natur zurückerobert. In so einer reich strukturierten, vielfältigen Landschaft finden umso mehr Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum.

Amphibienfreistätte Speckkahl
Im Quellbereich der Bächleins Sommerkahl wurde 1983 das Naturschutzgebiet "Amphibienfreistätte Speckkahl" eingerichtet. Das durch jahrhunderte lange Bergbauaktivitäten baumfreie Tal mit seinen versumpften Urweisengründen und moorigen Flächen ist im sonst dicht bewaldeten Spessart eine Besonderheit. Im durchnässten Quellmoor wuchern zarte Moose, im sumpfigen Tal blühen Fechtwiesen. Sonnig-warme Tümpel und Altwässer sind Leichgebiet für eine große Zahl von Amphibien. Um dieses nasse Paradies zu erhalten, muss das Tal alle paar Jahre vom aufkommenden Baumbewuchs befreit werden. Der Name "Speckkahl" für den Oberlauf der Sommerkahl stammt aus einer Zeit, als es im Spessart nur wenige Wege gab. Noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts trugen die Sommerkahler ihren Schinken und Speck entlang diese Bachlaufes und weiter über den "Engländer" nach Jakobsthal, auch "Knöpphütte" genannt. Jakobsthal war ein Glashüttendorf, in dessen Umgebung die kargen Sandböden kaum landwirtschaftlich nutzbar waren. Gerne tauschten die Bewohner Knöpfe (daher der Name!) und Perlen aus Glas gegen die Lebensmittel aus Sommerkahl.

Grube Wilhelmine
Das Bergwerk befindet sich im kristallinen Grundgebirge innerhalb eines ca. 335 Millionen Jahre alten Muskovit-Gneises. Dieser Gneis entstand durch Metamorphose (Umwandlung durch Hitze und Druck tief im Erdinneren) während der variskischen Gebirgsauffaltung aus einem ehemaligen Granit. Der einst hier auflagernde Kupferschiefer der karbonatischen Zechsteinsedimente ist der Erosion zum Opfer gefallen, ist aber beiderseits des Tales unter dem Buntsandstein anstehend. Die Störungen streichen - soweit erkennbar - in etwa in der üblichen Richtung von Nordwest nach Südost mit einer gewissen Abweichung nach Nord. Im Bereich des Tagebaues (oder auch Steinbruch) sind die primären Erze oft zu den bunten und damit auffälligen Sekundärmineralien umgesetzt. Das Stollensystem wurde dann während des 2. Weltkrieges als Luftschutzeinrichtung genutzt. Später wurde versucht, darin Pilze zu züchten. Durch Schottergewinnung in den 70er Jahren wurde der Tagebau auf die heutigen Verhältnisse erweitert und dann größtenteils mit Haus- und Sperrmüll bis in die 60er Jahre verschüttet. Dann wurde der Zugang dauerhaft verschlossen und über Jahre hatten nur die Fledermäuse einen ständigen Zugang.

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Quelle: Kupferbergwerk Grube Wilhelmine Sommerkahl e. V.

 

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